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für Sopran, Alt, Tenor und Bass, Vokalensemble, Oboe I–III, Oboe d’amore I–II, Oboe da caccia, Taille, Tromba, Timpani, Orgel, Streicher und Basso continuo

Bachs Kantate «Ein feste Burg ist unser Gott» BWV 80 vertont Luthers kämpferisches Lied von 1529, das erst nach dem Tod des Reformators zur Hymne des Protestantismus wurde. Die Kantate geht auf eine 1715 zum Sonntag Oculi entstandene Weimarer Komposition zurück, die mit dem Basssolo «Alles, was von Gott geboren» begann, dem der Choral «Ein feste Burg» als kommentierende Ebene beigegeben ist. Diese latente Choralbindung nahm Bach in Leipzig zum Anlass, die Kantate zum Reformationstag umzuwidmen und sie zunächst mit einem würdevollen Choralsatz einzuleiten, bevor er diesen in den 1730er Jahren durch eine ausgedehnte Liedmotette ersetzte. Sein Sohn Wilhelm Friedemann wiederum zog die Tuttisätze 1 und 5 für seine Hallenser Kirchenmusik heran, unterlegte ihnen lateinische Texte und fügte einen Trompeten-Pauken-Chor hinzu, der noch heute zuweilen mit der väterlichen Fassung kombiniert wird. Trotz aller Meisterschaft ist der Kantate eine gewisse Spannung zwischen den beiden Werkschichten Reformation und Oculi eigen. Während das 19. Jahrhundert mit seinem heroisierten Bachbild eine auf die massigen Chorsätze zugespitzte Darbietung bevorzugte, vermag man heute auch die intimen Weimarer Solosätze zu schätzen.