für Sopran, Alt und Tenor, Vokalensemble, Oboe I+II, Fagott, Streicher und Basso Continuo
Die Lesung des Evangeliums für den Sonntag Septuagesimae (70 Tage vor Ostern) steht bei Matthäus im 20. Kapitel. Es ist das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg, denen der Besitzer allen Arbeitern den vollen Tageslohn von einem Denar auszahlen liess, obwohl einige nur teilzeitlich oder gar nur eine Stunde gearbeitet hatten. Da murrten diejenigen, die den ganzen Tag durchgehalten hatten. Zu einem von ihnen sprach der Herr: «Freund, ich tue dir nicht unrecht. Hast du dich nicht mit mir auf einen Denar geeinigt? Nimm, was dein ist und geh! Ich will aber diesem Letzten gleich viel geben wie dir. Oder ist es mir etwa nicht erlaubt, mit dem, was mein ist, zu tun, was ich will? Machst du ein böses Gesicht, weil ich gütig bin?» Der unbekannte Textdichter knüpft hier an, entfaltet Gedanken zur Genügsamkeit und zum Sich-Bescheiden, geht jedoch nicht näher auf die tiefere Bedeutung des Gleichnisses ein. Bachs Komposition setzt diese Vorlage in zugleich effizienter wie nachdrücklicher Weise in Musik. Für die in der Rezeptionsgeschichte wiederholt geäusserten Zweifel an der Autorschaft des Thomaskantors gibt es weder von Seiten der Quellenüberlieferung noch der musikalischen Qualität her ernsthafte Argumente.
