für Sopran, Alt, Tenor und Bass, Corno da caccia, Oboe I+II, Fagott, Streicher, Organo und Basso Continuo
Der unbekannte Librettist knüpft an die Sonntagslesung, Matthäus 18, 23 –35, an. Auf die Frage des Petrus, wie oft man dem Nächsten verzeihen müsse, erzählt Jesus das Gleichnis vom unbarmherzigen Knecht, dem der König eine riesige Schuld erlassen hatte und der anschliessend seinen Mitknecht wegen einer Kleinigkeit drangsalierte, statt aufgrund der erfahrenen Vergebung selber auch zur Vergebung bereit zu sein. Bachs Kantate verzichtet auf ausgedehnte Formen und eine glanzvolle Instrumentierung. Vielmehr reduziert er das Drama der Rechtfertigung auf seinen elementaren Kern: Vor die majestätische Instanz Gottes tritt der sündhafte Mensch nahezu nackt und mit gesenktem Kopf – die unverdient geschenkte Gnade ist hörbar kein Ruhmesblatt. Dass Bach hier wie mehrfach in seinem ersten Leipziger Jahrgang eine ältere Weimarer Kantate in überarbeiteter Form präsentierte, lässt sich aufgrund des Verlustes der handschriftlichen Kompositionspartitur nicht ausschliessen.
