für Sopran, Alt, Tenor, Bass, Oboe, Oboe d’amore I+II, Streicher und Continuo
Einer anderen Herausforderung sah sich Bach bei der Vertonung der Kantate «O Ewigkeit, du Donnerwort» BWV 60 gegenüber. Anders als die mit dem gleichen Kirchenlied beginnende Choralkantate BWV 20 setzt unser Libretto auf die zugleich intime wie intensive Form eines Dialogs. Allerdings sind es nicht wie in den barocken Opern und Oratorien reale Personen, die hier einander gegenübertreten, sondern mit «Furcht» und «Hoffnung» konträre Seelenkräfte, die in Form eines Gewissensgespräches Grundfragen des Glaubens austragen. Es entsprach dabei der Einsicht in die zerrissene Natur des Menschen, dass das Libretto diese gegensätzlichen Regungen nicht nacheinander, sondern stets simultan miteinander verstrickt zu Wort kommen lässt. Der Komponist musste damit entgegen der barocken Vorliebe für einheitliche Affektausdeutungen musikalische Konstellationen erschaffen, die jeweils beiden Ausdruckswelten als tragfähige Grundlage dienen konnten.
