für Sopran, Alt, Tenor und Bass, Vokalensemble, Trompeten I-III, Pauken, Horn I+II, Traversflöte I+II, Oboe I+II, Viola d’amore, Viola da gamba, Streicher und Basso continuo
Dass Bach nur für die Kirche, nicht aber für die – in Leipzig leider bereits vor seinem Amtsantritt bankrottgegangene – Opernbühne bestimmt gewesen sei, ist ein romantisches Vorurteil, das seinem Œuvre kaum gerecht wird. Während er seine dramatische Ader in den unter den Augen von Rat und Kirchenleitung dargebotenen gottesdienstlichen Kantaten nur wohldosiert ausleben konnte, boten ihm weltliche Auftragsarbeiten mit ihren allegorischen Figurenensembles dafür grössere Spielräume. Gerade das am 3. August 1725 zum Namenstag des Leipziger Hochschullehrers August Friedrich Müller entstandene «Zerreisset, zersprenget, zertrümmert die Gruft!» wurde nicht nur wörtlich als «Dramma per musica» bezeichnet, sondern reizt mit seiner Darstellung entfesselter Naturgewalten und heidnischer Göttercharaktere das szenische Potenzial der barocken Tonsprache voll aus. «Krachende Dächer» und elegant säuselnde Südwinde haben in dieser auf ein Libretto von Bachs Leipziger «Hausdichter» Picander zurückgehenden Komposition ebenso Raum wie rauschende «Vivat August!»-Rufe unter freiem Himmel, mit denen der beliebte Logikdozent auffällig nahe an den namensgleichen Landesvater rückte. Bachs in der Akademikerstadt Leipzig selbstverständliche Aneignung der antiken Mythologie macht eine neben der Bibelkenntnis unterschätzte Facette seiner Bildungsbiografie erlebbar.
