für Alt, Tenor und Bass, Vokalensemble, Oboe d’amore I+II, Streicher und Basso continuo
Wie sich aus nur einem Satz des Sonntagsevangeliums von Lukas 2, 41–52 (1. Sonntag nach Epiphanias) ein ganzer Kompass christlicher Lebensführung gewinnen lässt, das haben der unbekannte Texter der Kantate BWV 154 und Bach als Komponist beispielhaft vorexerziert: Im Lukasevangelium liest sich der Satz «Wisset ihr nicht, dass ich sein muss in dem, was meines Vaters ist?» (Lukas 2, 49) noch als trotzige und zugleich vielsagende Antwort des seinen Eltern hin zum Tempel entlaufenen Jesusknaben. – In Bachs Musik wird die ganze Szene mit dem Verlustschock der Eltern zur individuellen Erfahrung und Gewissensbefragung, zum aufrüttelnden «Donnerwort», weil sie als emotional durchlebte Gottesferne gedeutet wird: «Mein liebster Jesus ist verloren.» Die um die Christusfrage im Bach-Arioso gruppierten Arien und Rezitative zeichnen das sorgende Suchen und beglückte Wiederfinden nach und verknüpfen Choralstrophen, Hoheliedmotive und Bibeldeutung in einer Weise, die die quellenkritisch (noch) nicht beweisbare Entstehung der Kantate bereits in Bachs musiktheologischer «Gesellenstube» Weimar plausibel macht.
