«Actus tragicus» (Trauermusik), für Sopran, Alt, Tenor und Bass, Blockflöte I+II, Viola da gamba I+II und Basso continuo
Albert Schweitzer hätte gern für mehr Stücke dieser Art auf den Rest des Bach’schen Kantatenoeuvres verzichtet – im Diskurs der Mendelssohn-Zeit galt «Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit» gar als Beweis dafür, dass Bachs Musik jeden Raum in eine Kirche zu verwandeln vermag. Dabei ist das nur für Singstimmen, Blockflöten, Gamben und «Fondamento» gesetzte und womöglich einem Mühlhäuser Ratsherrn gewidmete Stück noch gar keine moderne «Kantate», sondern ein allein auf Bibeltext und Choral gegründetes und abschnittsweise durchlaufendes «Geistliches Concert». Was Bach jedoch aus den sorgsam kompilierten Schriftworten und Vertonungstopoi einer «stillen» Begräbnisandacht macht, ist musikalische Weltliteratur und Vollendung der Tradition in einem und in ihrer poetischen Präzision die vielleicht grossartigste musikalische «Novelle» von seiner Hand.
Bonusmaterial
«Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit» hätte am Freitag, 20. März 2020 in Speicher aufgeführt werden sollen. Corona schlug sämtliche Türen zu; jener schwarze Freitag war der Auftakt für ein einjähriges Sabbatical für unsere Aktivitäten, dessen Ausgang damals noch völlig offen erschien. Anstelle des Konzerts gelangte unser musikalischer Leiter Rudolf Lutz als Einmann-Ensemble zum Einsatz.
Einführung zur Kantate BWV 106 am Keyboard, Orgelkonzert in Form einer Improvisation auf der Basis des «Actus Tragicus»
Die Reflexion zur Kantate hätte unser lieber Kollege im Stiftungsrat der Internationalen J. S. Bach-Stiftung Zürich halten wollen, Prof. Dr. Ekkehart Reinelt aus München. Es war sein langjähriger Herzenswunsch gewesen, das tun zu können, zu genau dieser Kantate. In der Zwischenzeit ist er so gebrechlich geworden, dass das nicht mehr möglich ist.
