für Sopran, Alt und Bass, Vokalensemble, Oboe I+II, Streicher und Basso continuo
Die Lesetexte des 3. Sonntags nach Epiphanias legten in Bachs Zeit grösstmöglichen Nachdruck auf die Ergebung in Gottes Willen als Voraussetzung allen Heils. Entsprechend erhebt die noch von Bachs Weimarer Hofkollegen Salomo Franck gedichtete, jedoch erst 1726 in Leipzig vertonte Kantate BWV 72 diesen Gedanken zur entschlossen bejahten Lebensdevise. Gleich der drangvoll bewegte Eingangschor schärft sie mit in der Höhe gesteigerten Viertelschlägen und eifernden Chorkoloraturen unabweisbar ein, wobei einschliesslich einer ariosen Rezitativlitanei mehr als ein Dutzend Mal vom göttlichen Willen geredet wird. Dass sich mit der zunehmenden Hinwendung des Librettos zu Jesus als gütigem Heiland auch der klingende Tonfall kräftigt und entspannt, macht die Kantate zum sprechenden Exempel Bach‘scher Musiktheologie.
